1 Jahr ohne Depression | Wie geht es mir heute?

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Letztes Jahr im August habe ich einen Beitrag verfasst, der mir viel Mut gekostet, aber auch Freiheit gegeben hat: Meine Depression. Die Resonanz darauf war riesig und der Beitrag ist bis heute einer der meistgelesenen auf meinem Blog.
Nun ist es knapp ein Jahr her, dass ich “depressionsfrei” bin. Heute will ich euch sozusagen ein Update geben. Wie geht es mir? Was hat sich verändert? Wie hat sich mein Leben verändert?


Seitdem ich der Depression (unbewusst) den Kampf angesagt habe, ist viel passiert. Ich sehe das Leben und mich aus einem anderen Blickwinkel. Klar gibt es immer noch Tage, an denen ich Selbstzweifel habe, unsicher bin oder einfach mit dem falschen Fuß aufgestanden bin. Aber das ist normal, solche Tage hat jeder Mal. Nur schrillt bei mir eine kleine Alarmglocke los und ich versuche, mich abzulenken, um in kein schwarzes Loch zu fallen.
Ich sage mir, dass vielleicht das oder das nicht so gut gelaufen ist, aber wieder schöne Tage folgen und das kein Weltuntergang bedeutet. Also lese ich ein Buch, schaue meine Lieblingsserie, einen Film oder erinnere mich an etwas Schönes. So fällt es mir leichter, in kein Loch zu fallen.

Sich selbst mögen

Auch merke ich, dass ich mich selbst immer mehr mag. Die Dellen an den Oberschenkeln, die Dehnungsstreifen oder die nicht gerade Nase – das alles erscheint mir mittlerweile unwichtig. Ich stehe darüber, dass ich nicht schlank bin, aber ich verstecke mich nicht. Dafür gibt es keinen Grund. Wer mich so nicht mag, das ist ok, schließlich sympathisiere ich auch nicht mit jedem.
Ein weiterer wichtiger Teil meines Lebens ist die Soziale Angst, worüber ich auch einen Beitrag geschrieben habe. Während meines Praktikums in der Stadtbücherei musste ich oft über meinen Schatten springen und das tue ich heute immer noch, denn das ist manchmal das einzige, das hilft. Ich habe teilweise immer noch damit zu kämpfen, aber ich lasse mich von Rückschlägen nicht mehr runterziehen, sondern betrachte meine Erfolge. Und die sind in den letzten Monaten enorm gewesen.

Die Blicke anderer

Vielleicht erinnert sich der ein oder andere daran, dass ich in meiner schlimmsten Zeit mich nicht einmal getraut habe, vor anderen zu essen oder trinken. Es war mir unangenehm, ich bekam keinen Bissen oder Schluck herunter, fühlte mich stets beobachtet und verurteilt.
Auch heute werde ich manchmal angeschaut – wegen meiner Tattoos und meinen bunten Haaren, weil ich trotz meiner dicken Oberschenkel Jeans mit Rissen trage oder warum auch immer. Die Gründe sind egal, doch ich spüre die Blicke, schaue zurück und grinse. Das wirkt meistens abschreckend haha.
Etwas, das ich auch akzeptiert habe, ist die Tatsache, dass ich niemals ein lauter, über die Maßen von sich überzeugter Mensch sein werde. Das ist vollkommen in Ordnung, denn dann wäre ich nicht mehr ich. Ich bin schüchtern, skeptisch, manchmal unsicher und ruhig und ja, das ist gut so. Das bin ich.

Das stört mich

Aufgefallen ist mir jedoch, dass mir pessimistische, negative Kommentare meiner Mitmenschen mehr aufstoßen. Ich verdrehe instinktiv die Augen.
Früher war ich ein Pessimist wie er im Buche steht, heute habe ich einen gesunden Realismus. Ich versuche, positiv an eine Sache heranzugehen und ganz ehrlich, so lebt es sich besser. Würde ich morgens mit dem Gedanken aufstehen, dass alles scheiße wird – ja, dann ist meine Laune eh schon im Keller. Bringt also nichts, zieht einen nur noch mehr herunter.

Bin ich geheilt?

Ich würde nicht sagen, dass man mit einer Depression jemals als geheilt gilt. Denn die Depression kann jederzeit über einen einbrechen und zurück in das schwarze Loch ziehen. Doch gerade kann ich sagen, dass es mir gut geht. Wirklich gut.
Das Leben ohne Depression ist leichter, entspannter, hin und wieder ein kleiner Kampf mit einem selbst und vor allem eines: schön. Das Leben ist schön, DU bist schön. Du bist wertvoll und ein guter Mensch.


Du leidest unter einer Depression und weiß nicht, an wen du dich wenden sollst? Unter dieser Telefonnummer erreichst du die Telefonseelsorge (gebührenfrei):
Tel.: 0800 / 11 10 111
Tel.: 0800 / 11 10 222


Das war mein kleines Update, wie es mir ohne Depression geht. Vielleicht könnt ihr etwas daraus mitnehmen, es würde mich freuen. Über Kommentare freue ich mich natürlich und ich wünsche jedem von euch nur das Beste.

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