Rezension “Marthas Widerstand” von Kerry Drewery

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Marthas Widerstand von Kerry Drewery

Klappentext: Martha ist des Mordes angeklagt und sitzt in der ersten von sieben Zellen. Sieben Tage lang stimmt das gesamte Volk darüber ab, ob sie freigesprochen oder in die nächste Zelle verlegt wird. Die Zellen werden dabei immer kleiner, genauso wie Marthas Chancen auf einen Freispruch. Denn die Umfragen zeigen, dass der Großteil der Bevölkerung sie sterben sehen will. Doch was wäre, wenn Martha genau darauf spekuliert?
Ein Katz-und-Maus-Spiel beginnt, bei dem es um viel mehr als ein einzelnes Menschenleben geht … (Quelle: Bastei Lübbe)

Meine Meinung: Als ich durch die Buchhandlung lief, ist mir zuerst das Cover des Buches aufgefallen. Der Blick des darauf abgebildeten Mädchens spiegelt exakt das Gefühl der Protagonistin Martha wider: Verzweiflung, aber auch Entschlossenheit. 
Es geht um eine Gesellschaft, in der es keine Richter, Gerichte, Geschworene oder Zeugen gibt, sondern die Bevölkerung stimmt per Votings über die Schuld oder Unschuld eines Menschen ab. Das ganze geschieht in sieben Tagen, die der Beschuldigte in einer Zelle verbringt. Der ganze Prozess wird im Fernsehen übertragen und als ein Medienspektakel dargestellt. Daran könnt ihr schon erahnen, wie perfide dieses System aufgebaut ist. Und in diesem Fall geht es um die sechzehnjährige Martha, die sieben Tage in einer Zelle sitzt…

Seit den Tributen von Panem scheint das Genre der Dystopie klischeebeladen, sodass man glaubt, nichts mehr neues zu lesen. Aber schon der außergewöhnliche Erzählstil zeigt, dass dem nicht so ist, denn es wird aus mehreren Perspektiven berichtet. Das Lesen wird dadurch keinesfalls erschwert, sondern man erfährt dadurch mehr über das System, in dem die Menschen leben.
Ebenso gibt es Rückblenden, aus denen man erfährt, warum sich Martha in dieser Situation befindet und dass sie sehr wohl etwas damit erreichen will. Denn schnell merkt man, dass das System seine Fehler hat und es durchaus Menschen gibt, die sich dem widersetzen wollen.
In einem weiteren Punkt unterscheidet sich die Dystopie von anderen, denn zum Zeitpunkt von Marthas Festnahme hat sie einen Freund. Hier erfährt man auch durch Rückblenden, wie die beiden sich kennen und lieben gelernt haben. Während ihres Gefängnisaufenthaltes macht sich Martha Gedanken darüber, ob sie ihn jemals wieder sehen oder mit ihm reden wird.
Mit der Protagonistin hat Kerry Drewery einen starken, selbstlosen Charakter entwickelt, vor der ich großen Respekt hatte. Auch die anderen Charaktere, aus deren Sicht teilweise geschrieben wird, sind sehr gut herausgearbeitet und jeder trägt seinen Teil dazu bei, dass Marthas Festnahme anders endet als die Mehrheit der Bevölkerung möchte.
Die Geschichte regt zum Nachdenken an und übt Kritik an unserer Gesellschaft, wodurch die Autorin eine Dystopie geschaffen hat, die sich nicht der Klischees bedient. Auch die Liebesgeschichte stand nicht im Mittelpunkt, sondern die Message der Autorin.

Gegen Ende bleiben jedoch noch Fragen offen, von denen ich erhoffe, dass diese im zweiten Teil beantwortet werden.
Fazit: Eine Dystopie, die sich von anderen abhebt und von Anfang bis Ende spannend war! Es war ein unerwartetes Lese-Highlight für mich.

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